Kommentar zur aktuellen Situation

(Dobby) Mittlerweile sind in der DEL-Saison 2013/2014 fünfzehn Spieltage absolviert und die Münchner Kufencracks stehen derzeit mit 20 Punkten auf dem achten Tabellenplatz. Mit so einer Bilanz nach einem Viertel der Spielzeit wären alle Fans in den letzten vier Jahren mehr als zufrieden gewesen. Doch nicht in dieser Saison.

Dies liegt natürlich an dem verstärktem Team, das Red Bull mit dem EHC ins Rennen schickt. Man holte einige erfahrene Spieler, welche schon bei NHL- und AHL-Teams aktiv waren und in diesen auch Führungsrollen übernahmen. Dazu wurden auch deutsche Leistungsträger wie Alex Barta und Yannick Seidenberg verpflichtet. Doch es herrscht mit dem bisherigen Saisonverlauf Unzufriedenheit am Oberwiesenfeld.

Viel Kritik muss der EHC-Trainer Pierre Pagé über sich ergehen lassen. Da ist von fehlendem System die Rede und manche Fanstimmen fordern schon einen Wechsel des Übungsleiters, welcher vor der Saison vom “Bruderclub” EC Red Bull Salzburg kam. Dabei kann Pagé auf eine lange Trainerkarriere zurück blicken. Zweimal Deutscher Meister mit Berlin, dreimal Österreichischer Meister mit Salzburg. Dazu gewann er mit den Mozartstädtern zweimal die European Trophy und einmal den Continental Cup. Außerdem war er vor seiner Zeit in Europa lange Cheftrainer und teilweise als General Manager für die Spielerverpflichtungen bei NHL-Teams verantwortlich. Also: Die Kompetenz ist durchaus vorhanden.

Pagé ist ein Freund von offensivem Eishockey, bei dem der Gegner sehr stark unter Druck gesetzt und damit zu Fehlern gezwungen werden sollen. Und dies ist schon der große Kritikpunkt, denn es wird oft gesagt, dass die Spieler nicht wirklich verstehen, was sie im Spiel machen sollen. Doch liegt die derzeitige sportliche Durststrecke wirklich am System?

Nachdem die Münchner im Sommer mehr als 20 neue Spieler verpflichtet haben, war eigentlich klar, dass es eine gewisse Zeit dauern wird, bis es richtig gut läuft. Die Nürnberger können jetzt erst die Früchte ihres Aufbaus der letzten Saison sammeln und stehen mittlerweile hinter Köln auf Platz zwei. Also die fehlende Eingespieltheit kann nicht außer Acht gelassen werden, wenn man der Frage nachgeht, warum der EHC derzeit nicht konstant spielt. Oft sieht es so aus, als würde man nach dem Motto “Nimm du den Puck, ich habe ihn sicher!” spielen. Aber nach den Spielen in Mannheim und gegen Düsseldorf kann man sicher sagen, dass es an etwas Anderem liegt.

Das 0:4 gegen Düsseldorf war das dritte Spiel in dieser Saison, in dem der EHC keinen einzigen Treffer erzielte. Der Rekord liegt bei 9 Spielen aus der Spielzeit 2011/2012. Somit hat man ein Drittel schon mal geschafft. Das 0:9 in Mannheim war die höchste Niederlage der Vereinsgeschichte (es sei denn man sieht ein 3:10 in Essen als höhere Niederlage an). Man konnte gerade mal drei der ersten acht Heimspiele für sich entscheiden und hierfür sehe ich nicht das System als Problem, sondern die Einstellung einiger Spieler.

Die meistgesprochenen Worte vom ehemaligen EHC-Trainer Pat Cortina sind “hard” und “work” und das normalerweise im gleichen Satz. Davon sieht man beim aktuellen Münchner Team nicht viel. Natürlich gibt es die Spieler, die ihre Leistung bringen und diese sind auch in der Statistik ganz oben zu finden. Aber einige Andere sind nicht bereit, das nötige zu tun, um die Spiele auch zu gewinnen. Ein Beispiel aus dem Heimspiel gegen Düsseldorf: Danny Richmond hat hinter dem eigenen Tor den Puck, fährt die Rundung an der Bande entlang nach vorne, bleibt dabei am Hauptschiedsrichter Lars Brüggemann hängen und verliert den Puck. Anstatt sich diesen zurück zu holen, ärgert er sich und haut mit dem Schläger aufs Eis.

Das ist nur eine Kleinigkeit, aber solche Kleinigkeiten zeigen, ob ein Team bereit ist zu spielen oder nicht. Und wenn man nicht bereit ist, wird man nicht gewinnen. Darüber hinaus sieht man, dass einige Akteure nicht mit dem Kopf auf dem Eis sind. Viele Fehlpässe passieren, weil man versucht, den riskanten Pass zu spielen. Dazu kommen noch einige Puckverluste in der eigenen oder der neutralen Zone, welche schon zu Chancen und Toren des Gegners führten.

Warum spielen die Münchner nicht mit dem nötigen Einsatz? Nachdem man nicht in die Köpfe der Spieler schauen kann, kann man nur spekulieren. Möglicherweise haben es sich einige zu leicht vorgestellt und merken jetzt erst langsam, dass es doch nicht so ist.

1375904_425477404219782_469002665_nIn einem anderen Bereich zeigen sie mehr Einsatz, beispielsweise wenn es darum geht, den Torwart zu verteidigen. Aber manchmal hat man das Gefühl, dass manche Spieler nur versuchen zu provozieren und sich dazu weniger aufs Wesentliche konzentrieren.  Eine gelegentliche Schlägerei gehört zu einem Eishockey-Spiel dazu, aber wenn man – wie beim Spiel gegen die DEG – nichts anderes zu bieten hat, dann ist das schon ein bisschen wenig.

Das Team ist gut genug, um weiter oben mitzuspielen und die Niederlagen sind eigentlich nicht das Problem, sondern die Spielweise des Teams, welches ein Wochenende mal gut spielt und dann wieder nachlässt. Das ist sicher ein weiterer Punkt, der für eine mangelnde Einstellung spricht. Wenn es gut läuft erwartet man, dass es so automatisch weiter geht. Doch die Realität zeigt dann ganz hart, dass es ganz anders läuft.

Ich wage mal eine Prognose: Falls die Saison so weiterlaufen sollte und das Team es nicht schafft, konstanter zu spielen, wird man sich zwar auf alle Fälle für die Play-Offs qualifizieren, wenn auch nicht direkt für das Viertelfinale. Doch dort wird man nicht sehr weit kommen, wenn man nicht bereit ist, den nötigen Einsatz zu zeigen, um zu gewinnen. Schauen wir mal, was noch kommt.

 

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