Ideenlos gegen die Roosters

Das Entscheidungsspiel um den Einzug ins Viertelfinale war mit einer guten Portion Brisanz geladen: Wie in einer „richtigen“ Playoff-Serie äußerte die Nordkurve ihren Unmut über das Verhalten einiger Fans des Iserlohner Eishockeyclubs in Form von Sprechchören. Und auch die Mannschaft hatte scheinbar ihre Meinung zu den gastierenden Eishockeyzwergen – jedenfalls gingen die Spieler von Pierre Pagé deutlich konzentrierter zu Werke als noch am Mittwoch.

Und so war es wieder ein frühes Tor, das die Partie endgültig eröffnete. Und Nick Palmieris Führungstreffer, dem eine Vorarbeit von Grant Lewis und Ryan Duncan vorangegangen war, machte den Torhüter der Iserlohn Roosters scheinbar nervös: Immer wieder ließ er Torschüsse gefährlich abprallen. Selbst eine Überzahlsituation der Gäste blieb ungenutzt, da es der EHC verstand, effektiv Penaltykilling zu betreiben und auf Konter zu lauern. Lediglich im Spielaufbau leistete man sich einige Fehler, die in der 8. Spielminute erst zu einem 3-auf-1 und schließlich zu einem 2-auf-0 führte. Noronen im Münchner Gehäuse parierte jedoch sicher. Zur allgemeinen Überraschung fiel es den Spielern aus der bayrischen Landeshauptstadt jedoch schwer, ein eigenes Powerplay aufzubauen: Kein einziger Schuss konnte in der ersten Überzahlsituation gezählt werden. Bei gleicher Spielstärke ging es jedoch „hin und her“. Als Danielsmeier Mitte des ersten Drittels im eigenen Drittel irrtümlich Felix Petermann auflegt, kann Lange die Scheibe nur unkontrolliert zwischen sich und der Torlinie aufhalten. Die Scheibe wurde in rasantem Tempo von der sauerländer Verteidigung aus der Gefahrenzone und nach vorne gebracht. Nachdem Macek vor dem Tor mit einer geschickten Bewegung Noronen schon geschlagen zu haben schien, machte dieser noch seinen Kasten zu und vereitelte damit den Ausgleich.

Das hitzige Spiel wurde durch eine Verletzung des Iserlohners Conolly unterbrochen, der erst von Seidenberg fair an der Bande gecheckt wurde. Andy Wozniewski konnte seinen zeitgleich geplanten Check nichts mehr abbrechen und checkte den stürzenden Conolly. Dieser musste daraufhin ins Krankenhaus gebracht werden. Für Andy Wozniewski war das Spiel damit vorbei.

Im Anschluss war München freilich auf Verteidigung ausgerichtet. Iserlohn konnte keine zwingenden Aktionen setzen bis auf eine Kontermöglichkeit, nachdem Ritter die Scheibe gut behalten und Bois im Slot gut anspielen konnte. Das Drittel endete jedoch 1:0.

Unter lärmendem Support der 5.133 Münchner Fans eliminierte der EHC die verbleibenden 101 Sekunden Unterzahl – man erarbeitete sich sogar bei angezeigter Strafe gegen den IEC ein 2-auf-0, das jedoch regelwidrig abgepfiffen wurde. Auch in der 25. Minute urteilte das Schiedsrichtergespann unglücklich, nachdem sie den Rempler des Iserlohner beim Stürmen der neutralen Zone als Behinderung von Smaby interpretierten. Zwingende Chancen konnten aber nicht beobachtet werden. Erst als die Gastmannschaft sich in Unterzahl sah, wurde das Feuer auf Langes Kasten erneut eröffnet. Ein Tor fiel jedoch erst, als Macek wieder von der Strafbank aufs Eis eilte, den mustergültigen Pass annahm, ohne dass ein Münchner Verteidiger sich auch nur annähernd für ihn interessierte. Stattdessen bestaunten sie den Ausgleichstreffer zum 1:1. Angesichts diesen „kapitalen Bocks“ konnten die EHC’ler nicht mit ihrem Spiel zufrieden sein und forcierten ihre Anstrengungen: Palmieris Gegenstoß gegen erst 3, dann 2 Gegenspieler scheiterte jedoch am Schlussmann der Gäste. Desweiteren fehlte zu einem Erfolg Bodenständigkeit – Barta verlor im Schlagschuss das Gleichgewicht. Der Mythos vom „typischen Münchner 2. Drittel“ bekam also neuen Nährstoff.

Der Videobeweis zum 1:3
Der Videobeweis zum 1:3 (ServusTV)

Neuen Nährstoff erhielten scheinbar auch die Roosters während der letzten Drittelpause. Furios spielten diese auf und wollten unbedingt ein weiteres Tor. Schon in der 23. Minute erschien Foster frei vor Noronen, der nur mit Mühe das 1:2 verhindern konnte. Als die Münchner im Gegenzug eine Torchance mittels No-look-Pass erarbeiten wollten, landete der Puck beim Gegner und Smaby kam nicht rechtzeitig hinterher und Giuliano hatte nur noch den Goalie zu überwinden, was tunnelnd gelang. Während die Fans ein „Kämpfen für die Playoffs“ sehen wollten erarbeiten sich die Gäste ein weiteres 2-auf-1. Noronen ließ nach vorne abprallen, der zweite Schuss war dann aber drin. Der Videobeweis brachte dies zum Vorschein, nachdem die Schiris vorerst kein Tor geben wollten – 1:3. Iserlohn war daraufhin bemüht, nichts mehr zuzulassen und außer Barta, der sich schön durch drei Gegenspieler durcharbeitete, kam kaum mehr etwas von den Münchnern – im Gegenteil! Selbst die 55. Spielminute, in der München am Mittwoch noch auftrumpfen konnte, verstrich ohne eine einzige Idee. Macek machte es dann Barta gleich, umkurvte drei staunende Eishockeyspieler in blau und erzielt das 1:4, das das enttäuschende Endergebnis darstellt. München gelang im Anschluss nichts mehr. Der EHC Red Bull München scheidet damit hochverdient aus der Saison 2013/14 aus.

Wir wünschen allen Hörern eine schöne Sommerpause und bedanken uns für eure Treue. Bis zur Saison 2014/15!

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