Last-minute-Hockey ist nicht genug

Der EHC Red Bull München konnte am heutigen Playoff-Spieltag den Einzug ins Viertelfinale leider noch nicht perfekt machen. In einer über weite Strecken einseitigen Partie erzielten die Hausherren früh einen Treffer – nach einem Fehler von Daniel Sparre in der eigenen Zone wurde Nationalspieler Michi Wolf in der 4. Spielminute bedient und der hatte keine große Mühe, die Scheibe hinter dem machtlosen Mika Noronen im Tor unterzubringen.
Ein denkbar schlechter Beginn für die Gäste aus der bayerischen Landeshauptstadt. Aber es sollte noch schlimmer kommen – in Überzahl erzielten die Iserlohn Roosters nach einem trockenen Schuss von der blauen Linie das 2:0. Robert Raymond hatte abgezogen, Mika Noronen war die Sicht etwas genommen – und so musste der EHC Red Bull München schon früh einem 2-Tore-Rückstand hinterherlaufen. München hatte zu diesem Zeitpunkt – knapp sieben Minuten waren gespielt – deutlich weniger Anteile am Spielgeschehen, als das noch am Sonntag der Fall war. Auch die Disziplin litt unter dem Spielverlauf: Das Powerplay, das zum zweiten Treffer führte, resultierte aus einem “Hohen Stock” von EHC-Torhüter Mika Noronen. Im ersten Drittel hatte der EHC Red Bull München kaum eine gelungene Offensivaktion, Ersberg verlebte ruhige erste 20 Minuten am Seilersee an diesem Abend.

Dieses Bild, allerdings mit neuen Trikots der Roosters, bestimmte auch das zweite Drittel. Hatte sich der EHC über die hellen Jerseys der Hausherren beschwert? Der Spielfluss war aufgrund der intensiv geführten Partie mit einigen Strafzeiten für beide Mannschaften aber auch trotz dunkler Heim-Trikots nicht einfach zu entwickeln, allerdings gelang das den Hausherren immer noch deutlich besser als dem EHC München. Eine einzige, magere Torchance mit tatsächlicher Möglichkeit, einen Treffer zu erzielen – mehr stand als Ausbeute offensiv nicht auf der Habenseite der Münchner. Immer wieder überbrückten die Roosters die neutrale Zone mit einigen schnellen Pässen konsequent, um dann immer wieder den Querpass in den Slot und den freien Mann dort zu suchen. Ein weiterer Torerfolg blieb aber zunächst auch den Roosters im zweiten Spielabschnitt verwehrt.

Anders allerdings dann im dritten Drittel – die Roosters unbeirrt weiterhin mit viel Druck auf das Münchner Tor, während den Gästen kaum etwas in der Offensive gelingen wollte. Nach gespielten 50:59 dann der vermeintliche Genickbruch für die Münchner – Colten Teubert erzielte das 3:0 für die Heimmannschaft. Zu diesem Zeitpunkt waren weniger als zehn Minuten in der Partie verblieben, und aufgrund der bisherigen Bemühungen sah es nicht so aus, als ob der EHC Red Bull München noch ernsthaft etwas entgegenzusetzen hätte.

Rund fünf Minuten vor dem Ende zeigte der EHC dann aber sein wahres Offensivgesicht – Nick Palmieris Handgelenksschuss genau unter die Latte folgte nur 26 Sekunden später ein strammes Pfund von Fabio Carciola ins linke untere Eck – 3:2 nur noch, und mit noch mehr als 5 Minuten auf der Uhr noch viel Zeit für den Ausgleich – die Roosters sahen sich zur Auszeit gezwungen. Obwohl München danach noch ein Powerplay hatte und Pierre Pagé 1:01 vor dem Ende noch Mika Noronen zugunsten des sechsten Angreifers vom Feld nahm, hielt Ersberg im Tor der Gäste die entscheidenden Scheiben alle fest. Es blieb damit beim knappen Sieg der Hausherren, die damit die Serie mit 1:1 ausgleichen und ein Entscheidungsspiel am kommenden Freitag im Eisstadion am Oberwiesenfeld erzwungen haben. Letztlich war der Sieg der Roosters verdient; 5 Minuten Eishockey reichen in der DEL – zumal in den Playoffs – einfach nicht zum Sieg.

Angesichts der Schussstatistik, die mit 49:29 klar an die Sauerländer geht, wäre auch ein deutlicherer Sieg nicht unverdient gewesen. Doch genau hier besteht die Chance der Münchner: Die Iserlohner haben versäumt, klare Chancen zu nutzen und konnten ihre Leistung nicht über das gesamte Spiel aufrechthalten. “Das fitteste Team der Liga”, das Pagé formen wollte, hat am Freitag die Gelegenheit, den längeren Atem zu zeigen. Die Nordkurve dagegen kann beweisen, dass es nicht notwendig ist, Gegenstände auf das Eis – und Richtung Reporterplätze – zu werfen, um “Stimmung” zu erzeugen: Seid am Freitag dabei! Seid laut! Seid EHC!

Zwei Tickets für dieses Spiel hat Andreas E. gewonnen: Er tippte auf die Frage nach dem Zeitpunkt des letzten Tores die exakt richtige Spielzeit! Wir gratulieren!
Für alle, die es zeitlich nicht schaffen, überträgt Radio Oberwiesenfeld ab 19:15 Uhr in gewohnter Qualität.

Foto: Hockey Moments / Bericht: Forsberg & Pascal

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